"Diese Straße ist off limits für alle alliierten Truppen", Stempel von 1944,/45, Altstadt Genua

Wormser Zeitung

Bariton und Pianistin präsentieren in Dittelsheim-Heßloch Schuberts „Winterreise“, 22.2.17

DITTELSHEIM-HESSLOCH - (fbe). Die „Winterreise – ein Zyklus schauerlicher Lieder“, mit diesen Worten hatte Franz Schubert (1797-1828) seinen Freunden im Jahr 1828 ironisch sein neues und zugleich letztes großes Oeuvre präsentiert, und tatsächlich kam es bei diesen zunächst gar nicht gut an. Nur der berühmte „Lindenbaum“ fand Anklang.

Wahrscheinlich waren die Freunde erschrocken ob der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung am Leben, gepaart mit einer guten Portion Selbstmitleid, die ihnen da aus den Noten entgegensprang. Metapher über Metapher, viele davon uns heute nur noch nach Befragung entsprechender Literatur verständlich, will vom geneigten Zuhörer aufgenommen werden in 24 Liedern von „Gute Nacht“ bis zum „Leiermann“.

  • DER KOMPONIST
    Obwohl er früh starb und zu Lebzeiten wenig Anerkennung erfuhr, gilt der österreichische Komponist Franz Schubert heute als bedeutender Vertreter der frühen Romantik.

    Er komponierte etwa 600 Lieder im Laufe seines nur 31 Jahre währenden Lebens. Eines seiner bekanntesten ist „Die Forelle“.

Mit Blick aufs Winterende passt das Thema durchaus

An diesen großen, letzten Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller wagten sich die beiden Solisten des Abends, Joscha Zmarzlik, Bariton, und Britta Elschner am Klavier in der Dittelsheimer Heidenturmkirche. Für die Fastnachtszeit ein eher düsteres Unterfangen, im Hinblick auf das baldige Winterende und mit der Hoffnung auf die große Erneuerung im Frühling aber durchaus passend.

Joscha Zmarzlik und Britta Elschner sind gleichermaßen im Opern- und Liedrepertoire zuhause und boten den Zuhörern eine schlüssige Interpretation dieser „schweren Kost“. Einfühlsam und stets technisch überlegen, begleitete die Pianistin mit einer weiten dynamischen Bandbreite. Da vergaß man schnell, dass in der Heidenturmkirche leider kein Konzertflügel zur Verfügung steht, sondern nur ein mehr oder weniger klangfreudiges „normales“ Klavier.

Die „Winterreise“ verlangt von den Interpreten einen großen Spannungsbogen über fast zwei Stunden und dass sie sich nicht anstecken oder gar verschlingen lassen von der großen Depression, die aus den Liedern klingt. Das gelang Joscha Zmarzlik mit seinem sonoren Bariton. Drama und Verzweiflung wechselten sich ab, und er schaffte es, aus diesem Zyklus, der ja eigentlich keinen Handlungsverlauf hat außer dem, dass am Ende alles im Tode mündet, ein schlüssiges Ganzes zu machen.

Vom Publikum, das sich trotz Fastnacht in der Heidenturmkirche eingefunden hatte, gewann man den Eindruck, dass es sich bewusst zu diesem Konzertbesuch entschlossen hatte und die „Winterreise“ nicht zum ersten Mal hörte.

Entsprechend honorierte es die künstlerische Leistung der beiden Interpreten mit viel Applaus. Wieder einmal zeigte sich, dass die Heidenturmkirche ein Konzertort ist, der Künstlern die Möglichkeit bietet, auch Konzertprogramme darzubieten, die weder dem Mainstream angehören, noch das große Geld bringen.

Wormser Zeitung

Gegen die Hoffnungslosigkeit

Gimbsheim 31.01.2017

Von Ulrike Schäfer

LIEDERABEND Joscha Zmarzlik präsentiert Chansons für Träumer und Streuner im Storchenschulmuseum

GIMBSHEIM - Eigentlich hätte sich Christine Hach, Organisatorin der Ausstellung „Grau“, gewünscht, dass Joscha Zmarzlik passend zum Thema Schuberts „Winterreise“ gesungen hätte. Allerdings war im Storchenschulmuseum der VG Eich kein Klavier vorhanden. Deshalb bot Zmarzlik, der als Bariton nicht nur im Bereich Oper, Oratorium und Lied wirkt, sondern auch Liedermacher ist, Chansons für Träumer und Streuner an – eine gute Wahl. Seine besinnlichen Texte und kunstvollen, abwechslungsreichen Kompositionen waren genauso so bunt, heiter oder tiefschürfend, aktuell oder zeitlos wie die Werke der Ausstellung.

Sein erstes Lied führte nach Paris zum Place des Vosges. Die Fassaden der Häuser stellen die Verbindung her zum Thema der Ausstellung, doch die Stimmung war nicht gedrückt. Zmarzlik schilderte liebevoll Menschen und Augenblicke, in denen die Liebe natürlich auch eine Rolle spielt. Eugen Drewermann habe einmal gesagt, dass es nicht das Böse gibt, sondern nur die Angst, die uns am Leben hindere, leitete Zmarzlik zum nächsten Lied „Hab keine Angst“ über. In der traurig-tragischen Ballade „New Orleans“ ging es um einen Hilferuf, der nie gehört wird. Ganz anders war das Chanson von der angebeteten „Bibo-Frau“: Eine lustige Geschichte, die dem verliebten Protagonisten Schelte und Küchendienst einbringt.

  • TERMINE
    Am Samstag, 18. Februar, 20 Uhr, ist Joscha Zmarzlik mit Schuberts „Winterreise“ in der evangelischen Kirche in Dittelsheim-Heßloch zu hören. Die Pianistin Britta Elschner wird ihn begleiten.

    Im Storchenschulmuseum wird am 3. Februar, 20 Uhr, der Film „Stranger than Paradise“ gezeigt.

Eine Uraufführung erlebte das Lied von Aylan, jenem kleinen Flüchtlingsjungen, der im September 2015 tot an einen türkischen Strand gespült wurde. Das Foto ging seinerzeit um die Welt. Joscha Zmarzlik stellte diesem Schicksal die Flucht des Aeneas gegenüber, der mit Vater und Sohn das brennende Troja verlässt, um in Italien ein neues Leben zu beginnen.

Berührend, aber dennoch heiter ist die Geschichte vom alten Stein, der das Leben eines Mannes von der Jugend bis ins Alter begleitet. Das Lied über das ehemalige „Zeitcafé“ am Kölner Hauptbahnhof schildert die unerfüllte Sehnsucht nach der großen Liebe, und auch Gisela, die Zeugin Jehovas, die von morgens bis abends im Einsatz ist, hadert abends mit dem Himmel, weil er ihr keinen jehovatreuen Mann sendet.

Erneuter Stimmungswechsel: Der Liedpoet erinnerte sich wehmütig an den Vater, mit dem er so viel erlebte, und fragte schließlich, was der Bademeister eigentlich im Winter macht: Zunächst wurden die Sommerfreuden beschrieben, das Treiben im Schwimmbad. Dann fror alles ein, wurde starr und steif, die Musik verstummte. Doch dabei blieb es nicht. Irgendwann war der Winter vorüber, und wieder entlockte der Sänger dem Keyboard wunderbar sommerliche Töne.

Zwei Kindern aus Conakry in Guinea, die nach Europa fliegen, um an die Freundlichkeit der Regierenden zu appellieren, widmete Joscha Zmarzlik sein letztes Lied. Und als ob er die Hoffnungslosigkeit niederringen wolle, ließ er schnell den lodernden Song von der Kraft der Welt folgen. Als Zugabe war dann ein weiteres Jahreszeiten-Lied zu hören, bei dem das Publikum mitsingen konnte.

Die Gage für diesen Abend spendete der Sänger für die Syrerin Huda Asfour, die im Krieg ein Bein verloren hat. Bisher hat das Museum bei seinen Benefizaktionen 500 Euro für sie eingenommen. Auch der Erlös aus dem Ausschank des Alsheimer Weingutes Schütte kam ihr zugute.

Auftritt Heidenturmkirche Alsheim, Wormser Zeitung, 19.9.16

"... mit protestantischer Stimmgewalt..."

Rezension, Buon Vino - Bel Canto, Alsheim, 14.9.16, Lokalanzeiger Worms

Kulturwochende mit Sommerkino und Belcanto im Ökologischen Weingut Schütte begeisterte Publikum

 

Ein Kulturwochenende der besonderen Art fand am Freitag und Samstag, den 26. und 27.8. in der Remise des Ökologischen  Weinguts Schütte in Alsheim statt. Am Freitag hatte die Kinowerkstatt Alsheim zu einem erstmaligen Sommerkino-Open-Air ins Ökoweingut eingeladen. Gezeigt wurde die skurril-liebevoll inszenierte dänisch-isländische Tragikkomödie Virgin Mountain, ein großer Festivalerfolg des Jahres 2015. Um die achtzig Gäste kamen, sahen anspruchsvolle und doch heitere Kinokunst, genossen Bio-Imbiss, Biowein, Biosaft und ließen den sommersonnengesättigten Abend in der pittoresken Remise und im entspannt lässigen Flair des im Szene-Café-Stil liebevoll hergerichteten Hinterhofes ausklingen. Juniorchefin Agnes Schütte betonte denn auch in ihrer Begrüßung, dass die Verwandlung des normalerweise für Traktoren und Geräte genutzten Areals in einen Ort der nachbarschaftlichen Kulturbegegnung jedes Mal wie ein kleines Wunder auf sie wirke. Und die Fortsetzung folgte auf dem Fuße: Schon zum vierten Mal in Folge erfreute der mit vier jungen Musikern aus der Region hervorragend besetzte Konzertabend Buon Vino – Bel Canto am darauffolgenden Samstagabend das nun auf 150 Personen angewachsene Publikum. Bei hochsommerlichen Temperaturen begeisterten die Karlsruher Sopranistin Marijana Gojkovic und der in Alsheim lebende Bariton Joscha Zmarzlik ihr Publikum mit stimmgewaltig und spielfreudig präsentierten Duetten, Arien und Liedern von Mozart bis My Fair Lady und George Gershwin und wurden dabei von Tomoko Ichinose aus Frankfurt souverän und mitreißend am Klavier begleitet. Eine lokale Rarität mit überregionaler Ausstrahlung war ebenfalls zu vermerken: Die wohltönend und gefühlvoll dargebotene Erst-Wiederaufführung einer lyrischen Bariton-Arie aus Wendelin Weißheimers, des Osthofener Komponisten und Wagner-Freundes 1873 uraufgeführter Oper Meister Martin durch Joscha Zmarzlik. Nicht zu vergessen die blutjunge Geigerin Marlene Crone aus Alsheim und Perth, die das Publikum mit den hochvirtuosen Zigeunerweisen von Sarasate zu Begeisterungsstürmen hinriss und auch sonst viele Stücke souverän begleitete. Und auch die Gesangstalente des Alsheimer Publikum waren gefordert. Beim Brindisi aus Verdis La Traviata schmetterte man auf Deutsch die Chorstelle und manche Talente waren dabei zu entdecken. „Wir sind glücklich Qualität und Nachhaltigkeit, zwei Werte, die uns besonders am Herzen liegen, an diesem Kulturwochenende zusammengebracht zu haben. Die Qualität der Darbietungen und die Nachhaltigkeit der Publikums-Reaktionen machen uns Mut, im nächsten Jahr das Wagnis wieder einzugehen“, so die Juniorchefin abschließend. Und bis dahin bleibt man nicht untätig: Schon Anfang Oktober 2016 ist das Ökoweingut beim bundesweiten Türöffner-Tag der Sendung mit der Maus wieder mit von der Partie.

Rezension, Die schöne Müllerin, Heidenturmkirche Dittelsheim-Heßloch, 18.7.16, Wormser Zeitung

Von Ulrike Schäfer

DITTELSHEIM-HESSLOCH - Franz Schuberts Leben ist eine Tragödie. Obwohl der Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ eine Vertonung von Gedichten Wilhelm Müllers ist und sich auf dessen unglückliche Liebe zu Luise Hensel bezieht, spiegelt er die von Schmerz, Krankheit und Einsamkeit geprägte Gefühlswelt des Komponisten, und für den Zuhörer und die Zuhörerin verschmelzen Müller und Schubert zu einer Einheit. Vor allem wenn neben den Liedern, wie am Samstagabend in der Heidenturmkirche von Dittelsheim-Heßloch, der Musiker auch in Briefen und Tagebuchnotizen zu Wort kommt.

Reiche Gefühlsskala eindrücklich vermittelt

Der junge Bariton Joscha Zmarzlik, der, begleitet von der Frankfurter Pianistin Britta Elschner, den Liederzyklus vortrug, hatte besonders prägnante Texte ausgewählt und sie den Liedern zugeordnet. So war zunächst ein Auszug aus einem Brief an Schuberts Bruder Ferdinand zu hören, drei Jahre vor seinem Tod 1828 geschrieben. Darin erzählt er von seiner Fahrt nach Salzburg, seinen Eindrücken von der Stadt und der umgebenden Natur. Es ist eine Schilderung voller Poesie und Phantasie. Schubert und der Bariton Johann Michael Vogl waren bei dieser Gelegenheit auch bei Graf von Platz eingeladen und trugen sieben seiner Lieder, darunter auch das „Ave Maria“ vor. „Die Art und Weise, wie Vogl singt und ich accompagnire, wie wir in einem solchen Augenblick Eins zu sein scheinen, ist diesen Leuten etwas ganz Neues, Unerhörtes“, schreibt Schubert. Diesen begeisterten Äußerungen entsprechen stimmungsmäßig die ersten elf Lieder, die Lust am Wandern, die leidenschaftliche Liebe zur schönen Müllerin, die sich zu erfüllen scheint.

Doch das Blatt wendet sich, die Müllerstochter verfällt dem Jäger, der zutiefst enttäuschte Müllergeselle mag nicht mehr auf der Laute spielen, keine grüne Farbe mehr tragen. Eifersucht und Schmerz scheinen ihn fast zu zerreißen. Bei Franz Schubert sieht es nicht anders aus. Obwohl der geniale, unglaublich produktive Musiker in seinem kurzen Leben die großartigsten Werke geschaffen hat, bleibt ihm, zumindest durch eine größere Öffentlichkeit, die angemessene Anerkennung versagt. Beispielsweise würdigt ihn der verehrte Goethe, dessen Gedichte er vertont hat, nicht einmal einer Antwort.

Nach einem Zerwürfnis mit dem Vater ist Schubert gezwungen, 1818 eine Musiklehrerstelle bei Graf Esterhazy von Galántha auf Schloss Zseliz, damals Ungarn, anzunehmen. Er findet dort keine Geistesverwandte, keine Freunde. Während er anfangs Franz von Schober sein neues Umfeld mit Witz und Ironie noch vermeintlich heiter vorstellt, wobei die schmerzlichen Untertöne nicht zu überhören sind, klingt sein Brief vom September 1824 sehr viel düsterer, zumal seine schwere Krankheit ihn quält. Nur die Kunst gibt ihm Trost. Verzweiflung pur prägt sein Schreiben an Leopold Kupelwieser im März 1824. „Der Traum“, ein Tagebucheintrag vom Juli 1822, offenbart die belastenden Konflikte, vor allem im Verhältnis zum Vater, und den Wunsch nach Erlösung. Diese Erlösung, die Ruhe im Tod, findet sich wieder im letzten Lied des Zyklus, „Des Baches Wiegenlied“, das wohl manchem Besucher die Tränen in die Augen trieb.

Britta Elschner brachte die von Leidenschaft und Entsagung geprägten Kompositionen, das Plätschern, Rauschen und Tosen des Baches virtuos zu Gehör und ergänzte wunderbar die kraftvolle, wohlklingende Stimme Joscha Zmarzliks, der die reiche Gefühlsskala eindrücklich vermittelte. Dabei gelangen ihm besonders gut die expressiven Momente.

Ob Franz Schubert vielleicht eine eher weiche Natur hatte? Der Sänger, der auch die Texte sehr ansprechend vortrug, teilt privat jedenfalls sein Schicksal nicht. Die Liebe hat den gebürtigen Freiburger, mittlerweile Vater von zwei kleinen Kindern, nach Alsheim gebracht, sodass man ihn hoffentlich bald noch öfter in der Region hören wird.

http://www.wormser-zeitung.de/lokales/vg-wonnegau/dittelsheim-hessloch/schubert-abend-beruehrt-zuhoerer-in-dittelsheim-hessloch_17094422.htm

Rezension, Winterreise, Hof an der Aue, Zeven, 16.11.14, Zevener Zeitung

"... Dabei treffen die beiden Musiker die trostlose, erstarrte und auswegslose Atmosphäre im Kern. Joscha Zmarzliks satte Baritonstimme ist gleichermaßen enthusiastisch und doch vorsichtig, mit sicherem Gespür für jene Gefährdung, die den liedzyklus überschattet. Er trifft Schuberts Ton genau, überzeichnet die Einstiche in die Seele durch die Worte nicht, und frohlockt gleichermaßen in den Halluzinationen und Wunschträumen des trostlosen Wanderers. .... Nach dem Verklingen des letzten Tones brauchte das Publikum eine Weile, um aus den Tiefen der Traurigkeit wieder in die Realität zurück zu kehren. Aber dann brach ein wahrer Beifallssturm aus, der von diversen "Bravo"-Rufen untermalt wurde. Der verdiente Lohn für eine schwermütige, aber brilliante Vorstellung an einem grauen Novembervormittag."

Rezension, Messias, Augustiner Kirche Schwäbisch-Gmünd, 31.1.14, Rems-Zeitung, 3.1.14

...... Souverän ebenfalls war Bassist Joscha Zmarzlik. Seine Stärke lag in der Differenzierung der Dynamik, mit der er die Dramatik der Arien– und Rezitativinhalte gestaltete, aber auch in der Textverständlichkeit, die wie ganz natürlich und völlig unangestrengt einfach da war....

Kölner Rundschau, Juni 2013
Konzertrezension 27.8.13 Wormser Zeitung
Nibelungenkurier Worms, 3.6.13
Wormser Zeitung, 3.6.2013